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Blog: Start-ups, Ausgabe 2, November 2018

Start-up Szene Deutschland- Es wird mehr Venture- Capital benötigt

Von Elyas Bozan

“State funds, private equity, venture capital, and institutional lending all have their role in the lifecycle of a high tech startup, but angel capital is crucial for first-time entrepreneurs. Angel investors provide more than just cash; they bring years of expertise as both founders of businesses and as seasoned investors.” – Jay Samit, Vizepräsident von Deloitte

Start-up Unternehmen spielen eine wichtige Rolle in der Wirtschaft und im Vergleich mit Start-ups aus anderen Ländern, zum Beispiel der USA, sind im Bereich Unternehmensfinanzierung durch Venture-Capital in Deutschland deutlich langsamer entwickelt. Dabei kommt unter anderem Gruenderszene.de zu dem Fazit, dass Deutschland für Investoren und Gründer attraktiv ist. In unserer letzten Artikelreihe, Ist Deutschland der perfekte Gründerstandort für VC-unterstützte Start-ups? haben wir die deutsche Start-up-Szene im Allgemeinen betrachtet und analysiert. Darunter gehörten unter anderem die Analyse von Standorten und Branchen, die Frage nach Investitionsvolumen und Deals und die Analyse von getätigten Transaktionen im Zeitraum von 2016 bis 2018. Die Kernaussage der Artikelreihe war: Der Investitionsboom in Start-up-Unternehmen durch Venture-Capital-Investoren hielt auch im ersten Halbjahr 2018 weiter an. Die Zahl der Unternehmen, die Risikokapital erhielten, befindet sich auf einem neuen Höchststand und das Deal Volumen ist weiterhin auf einem hohen Niveau. Besonders die Top 10-Unternehmen profitieren von der Entwicklung, denn es ist eine signifikante Steigerung des Investitionskapitals und -volumens zu verzeichnen. Das Jahr 2017 war hier das Rekordjahr, wo das Deal Volumen im ersten Halbjahr des Jahres sprunghaft anstieg und deutsche Start-ups Rekordinvestitionen verzeichneten.

Jedoch, und das ist Thema dieses Artikels, ist die Zahl der VC-Investitionen im Vergleich zu anderen Finanzierungsformen drastisch niedrig. Insgesamt ist zu beobachten, dass viele Start-Ups Eigenfinanzierung und Kreditfinanzierung über eine Bank in Anspruch nehmen. VC wird aber, verglichen mit den üblichen, klassischen Finanzierungsformen, bisher wenig genutzt (siehe Abb. 1). Gründe hierfür sind zum einen der Anspruch der Gründer, Eigenfinanzierung und -leistung einzubringen, zum anderen an der Beschränkung der möglichen Finanzierungsrahmen, sodass externe Investoren einbezogen werden müssen, es jedoch bei der Überzeugung der Kapitalgeber noch deutlich Luft nach oben gibt:

Abb. 1., Quelle: Deutscher Startup Monitor 2017, KPMG


Gründe hierfür sind unter anderem eine zu kurzfristige Unternehmensplanung sowie das fehlende Verständnis für die Geschäftsideen durch Kreditfinanzierungen über eine Bank, Venture Capital von anderen Unternehmen oder auch Venture Capital über Privat-Equity-Unternehmen.
Laut Studien von PwC und KPMG aus den Jahren 2017 und 2018, die der Frage nach der Finanzierung der Start-ups nachgehen, setzen immer mehr Unternehmen auf eine Mischfinanzierung aus Eigen- und Fremdkapital. Venture-Capital wird erst wenig genutzt (siehe Abb. 2). Man kann folgende Punkte für die deutsche Gründerszene festhalten:

  • Ungefähr acht von zehn Gründern haben eigene Ersparnisse in ihr Start-up gesteckt
  • Überwiegend werden für die Fremdfinanzierung Kredite über eine Bank in Anspruch genommen
  • Nur ein Viertel aller Start-ups hat öffent-liche Fördermittel erhalten
  • Zwei Drittel der Gründer haben eine Mischfinanzierung aus Eigen- und Fremdkapital genutzt

Abb. 2., Quelle: Deutscher Startup Monitor 2017, KPMG


Nicht anders zu erwarten ist die Tatsache, dass Berlin auch in diesem Bereich führend ist, gefolgt von München, Hamburg und dem Rhein-Ruhr-Gebiet. Berlin kann den Anteil der mit Venture-Capital finanzierten Start-ups weiter ausbauen. Jedes dritte Startup, rund 33%, erhielt bislang Venture Capital. Vergleicht man dabei die Vorjahre 2014, 2015 und 2016 mit 2017, so kann man festhalten, dass der Anteil von Venture-Capital finanzierten Start-ups im Bundesdurschnitt auf 15,9% zurückging.

Betrachten wir nun die Art der Venture-Capital-Inverstoren, so erhielten rund ein Viertel der Gründer von öffentlichen Investoren, wie zum Beispiel High-Tech Gründerfonds (HTGF), Venture Capital. Rund 22% der Unternehmen gaben an, dass das Venture Capital von strategischen Investoren kam. Der größte Prozentsatz von rund 42% kamen hingegen von privaten Finanzinvestoren, beispielsweise Earlybird (siehe Abb. 3).
Wie anfangs angedeutet, nimmt die Zahl der Gründer, die auf eine Mischfinanzierung setzen, deutlich zu. Waren es laut PwC-Studie im Jahr 2016 rund 53% der Start-ups, so sind es 2017 rund 65%, d.h. es wurde ein Plus von 12% verzeichnet.

Abb. 3, Quelle: Deutscher Startup Monitor 2017, KPMG


Die Zahlen, die PwC in ihrer Studie Start-up-Unternehmen in Deutchland 2018 präsentiert, lassen auch weiterhin Luft nach oben und man darf gespannt sein, wie sich die Gründerlandschaft in den nächsten Jahren bezüglich Venture Capital verhält. Interessant ist, dass wenn ein Start-up Venture Capital von Unternehmen erhalten hat, dieses fast zur Hälfte, nämlich ca. 47%, zur Gründungsfinanzierung beigetragen hat. Obwohl man im Vergleich sieht, dass andere Finanzierungsformen deutlich stärker genutzt werden. An erster Stelle steht die Eigenfinanzierung mit 87%, danach kommt die Kreditfinanzierung über eine Bank mit 64% und öffentliche Fördermittel mit 24%.

Abb. 4, Finanzierungsquellen, Quelle: Start-up-Unternehmen in Deutschland 2018, PwC


PwC geht in ihrer Studie noch differenzierteren Fragen und Vergleichen nach, zum Beispiel Verglei-che der Jahre 2016, 2017 und 2018 in Bezug auf nur Eigen-, nur Fremd- und Mischfinanzierung oder der Frage welche Unternehmensgröße eher eine Mischfinanzierung in Anspruch nimmt. Für uns relevanter sind die zwei Fragen:

  • Wie schwierig war die Überzeugung der Kapitalgeber?
  • Was hat die Schwierigkeiten ausgelöst?

Hier zeigt sich, wie am Anfang des Artikels ange-deutet, ein deutliches Bild: Es gab Schwierigkeiten bei der Überzeugung der Kapitalgeber. Das lag zum einen am fehlenden Verständnis der Kapitalgeber, d.h. für die Geschäftsidee, zum anderen an Planungsmängel, ausgelöst durch eine zu kurzfristige Unternehmensplanung.

Abb. 5, Quelle: Start-up-Unternehmen in Deutschland 2018, PwC


 

 

Elyas Bozan

Managing Director Germany

Morgan Philips Group

ebozan@morganphilips.com

 

 

Quellen

  • Deutscher Startup Monitor 2017, KPMG
  • Start-up-Unternehmen in Deutschland 2018, September 2018, PwC
  • Start-up-Unternehmen in Deutschland 2017, Sommer 2017, PwC
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